Bonita & Negra

Wenn man ein Anwesen erwirbt, auf dem bereits sechs Katzen zu Hause sind, weil sie dort über den Tierschutz regelmäßig gefüttert wurden, ist man als Katzenliebhaber natürlich sehr gespannt, wie diese eher scheuen Wesen auf einen reagieren. Dies zeigte sich bereits nach kürzester Zeit: während vier von ihnen immer in sicherer Distanz blieben, zeigten sich zwei doch deutlich neugieriger: eine grau-weiß Getigerte begann schnell, sich immer dichter an mir vorbei zu drücken, und kurze Zeit danach (wenn auch deutlich vorsichtiger) eine fast schwarze mit einer lustigen gelben Nase.

Nach einiger Zeit beschloss ich, ihnen Namen zu geben, da sie augenscheinlich bereit waren, uns zu akzeptieren. Die Schöne und die Schwarze – Bonita und Negra. Nicht sehr einfallsreich, dafür aber passend …

Da sie unzertrennlich waren, haben wir beschlossen, sie zusammen offiziell zu adoptieren – denn offiziell waren es bis dahin alles Tierschutz-Katzen. Ohne Zweifel Mutter und Tochter. Und wir haben es nie bereut. Schnell stellte sich heraus, dass Bonita die absolute Chefin der gesamten Schar war. Niemand wagte es, sich ihr zu widersetzen; auf der anderen Seite war sie immer sofort zur Stelle, wenn es Ärger gab oder Fremdkatzen Futter klauen oder rumstänkern wollten. Eine Seele von Katze, die sicher viel (Schlechtes) erlebt hatte und immer extrem vorsichtig war. Bis zum Schluss konnte man sie nie von vorne streicheln oder auch nur berühren, dann schlug sie sofort zu – aber wenn sie vorbeistreifte, durfte ich sie streicheln und kraulen, was sie dann sehr genoss.

Ich war lange Zeit der einzige Mensch, den sie akzeptierte und an sich ranließ. Maren musste lange warten, bis sie das auch durfte.

Bei Negra war es noch extremer. Sie war vollkommen auf Bonita fixiert, und nur ganz selten durfte ich sie mal vorsichtig berühren und auch das nur, wenn Bonita dabei war.

Bonita hat es geliebt (und eingefordert), dass ich mit ihr jeden Morgen eine „Gartenrunde“ gemacht habe. Eine Inspektionsrunde über das Grundstück, immer denselben Weg mit nur kleinen Abänderungen, immer die gleichen Rituale. Danach war sie zufrieden und der Tag konnte weitergehen.

Den kleinen, immer wieder neu auftretenden schwarzen Punkt an ihrer Nase haben wir zunächst nur wahrgenommen, ohne uns etwas zu denken. Doch mit der Zeit wurde er immer größer; es blutete, wenn sich die Verschorfung löste und abfiel, und irgendwann war klar, dass da etwas ganz und gar nicht stimmt. Wir kannten uns bis dahin nicht aus (und Bonita hätten wir niemals einpacken und zum Tierarzt bringen können, das war völlig ausgeschlossen), und die Diagnose Plattenepithelkarzinom traf uns hart. Unheilbar. Furchtbar.

Wir haben aber nach den ersten Anzeichen noch weitere zwei wundervolle Jahre mit ihr verbringen dürfen, doch dann wurde es so schlimm und sie fing an sichtbar zu leiden, dass wir sie beim Tierarzt haben erlösen lassen. Wir hatten immer gesagt: Bonita könnnen wir genau ein einziges Mal einfangen und zum Tierarzt bringen, aber dann kommt sie auch nicht mehr zurück nach Hause. So war es dann leider auch. Sie hat einen wunderschönen Ruheplatz im Garten und wird niemals vergessen.

Nun war die Frage: Wie wird Negra reagieren? Ihr absoluter Anker mit einem Mal nicht mehr da? Aber überraschenderweise war ihr wenig anzumerken, und schon bald geschah etwas völlig Unerwartetes – sie hat mich als Ersatz ausgewählt!

Sie ist ein völlig unabhängiges, autarkes Wesen, und geht immer ihre eigenen Wege. Andere Katzen interessieren sie praktisch nicht. Sie hat mit ihren mittlerweile knapp elf Jahren (Stand Ende 2026) schon alles erlebt, sodass man sich nie Sorgen um sie machen muss. Aber sie braucht einen festen Bezugspunkt, zu dem sie gehen kann, wenn sie Nähe möchte, und das war gut neun Jahre lang ihre Mama Bonita, und nun bin ich es. Mittlerweile liebt sie es, bei mir im Bett zu schlafen, wenn Maren nicht da ist oder nebenan schläft, weil ich schnarche. Und mindestens einmal am Tag kommt sie laut schreiend an, wenn sie geflauscht werden möchte. Sie ist ein großartiges Kätzchen, unser „Karottennäschen“ Grini, und wir hoffen, dass sie noch sehr lange bei uns bleibt!