Unser Weg nach El Hierro

Manchmal gibt es Orte, die einen vom ersten Moment an nicht mehr loslassen. Für uns ist El Hierro so ein Ort.

Wie es uns vom nördlichsten Punkt Deutschlands – List auf Sylt – auf die Insel verschlagen hat, auf der sich sowohl der südlichste als auch der westlichste Punkt Europas befinden, möchten wir hier erzählen.

Was 2014 mit einer einwöchigen Reise begann, wurde über die Jahre zu immer längeren Aufenthalten – und irgendwann zu dem Wunsch, hier ein eigenes Zuhause zu haben. Dass daraus einmal unser Lebensmittelpunkt werden würde, hätten wir damals allerdings selbst nicht gedacht.

2014 – Die erste Begegnung mit der Insel

Im Jahr 2014 kam ich zum ersten Mal nach El Hierro. Meine damalige Freundin schlug vor, ihren Onkel zu besuchen, der schon seit langem auf El Hierro lebt, und so verbrachte ich eine Woche hier.

In der Gischt am Charco Manzo

Es war nur eine kurze Reise, aber die Insel hatte mich sofort gepackt. Die Ruhe, die Landschaft und dieses ganz eigene Gefühl von El Hierro gingen mir danach nicht mehr aus dem Kopf.

2015 – Fünf Wochen El Hierro

Ein Jahr später wollte ich mehr von der Insel kennenlernen. Aus einer Woche wurden diesmal fünf Wochen – genug Zeit, um El Hierro nicht nur als Urlaubsziel zu erleben, sondern die Insel ein gutes Stück besser kennenzulernen. Nebenbei konnte ich auf diese Weise meinen 50. Geburtstag in Ruhe und alleine verbringen …

2017 – Gemeinsam nach El Hierro

Im November 2017 kam Maren zum ersten Mal mit nach El Hierro. Ich war natürlich gespannt, wie sie die Insel erleben würde – denn ich hatte ihr natürlich unablässig von diesem besonderen Ort erzählt. Zum Glück dauerte es nicht lange: Auch Maren war sofort begeistert. Die wilde Landschaft, die Ruhe und die besondere Atmosphäre der Insel haben uns beide gleichermaßen fasziniert. Von da an war El Hierro für uns nicht mehr nur ein Reiseziel, sondern ein Ort, an den wir immer wieder zurückkehren wollten.

2018 – Hochzeit und zurück auf die Insel

Im November 2018 haben wir geheiratet. Direkt nach einer kleinen Feier im engsten Familienkreis, zog es uns schon wieder nach El Hierro. Es wurde fast zu einer kleinen Tradition: Die Insel gehörte einfach zu unserem gemeinsamen Leben dazu. Jeder Aufenthalt fühlte sich vertrauter an, und der Gedanke, hier irgendwann mehr Zeit zu verbringen, wurde immer stärker.

2019 – Die Entscheidung

Im November 2019 waren wir das nächste Mal hier. Inzwischen kannten wir die Insel schon ziemlich gut und fühlten uns hier immer mehr zuhause.

Während dieses Aufenthalts entstand zum ersten Mal ganz konkret der Gedanke: Sollen wir vielleicht mal anfangen, nach einem eigenen Haus zu suchen?

Aus diesem Gedanken wurde ziemlich schnell ein Plan. Wieder zurück auf Sylt begannen wir, uns nach angebotenen Immobilien umzusehen – noch ohne zu ahnen, dass wir nur wenige Wochen später tatsächlich unser Haus finden würden.

2020 – Die Vivienda

Im Januar 2020 waren wir wieder auf der Insel und machten uns auf die Suche. Dass wir dabei schließlich unser heutiges Haus fanden, war weniger das Ergebnis einer perfekt geplanten Suche als vielmehr eine Verkettung glücklicher Zufälle.

Im Internet hatten wir ein Haus entdeckt, das interessant genug aussah, um es uns einmal anzusehen – auch, um überhaupt einen Eindruck davon zu bekommen, was uns bei der Haussuche auf El Hierro erwarten würde.

Beim sonntäglichen Markt in Tigaday erzählten wir einer Bekannten, die dort einen Marktstand betrieb, von dem Haus.

„Oh, ich glaube, ich weiß, welches das ist!“, meinte sie plötzlich. Dann zeigte sie auf eine Frau, die gerade über den Markt schlenderte: „Das ist die Frau, die sich um den Verkauf kümmert. Soll ich euch direkt mal bekannt machen?“

Klar – warum nicht?

Gesagt, getan! Direkt für den nächsten Tag wurde ein Besichtigungstermin vereinbart, und so fanden wir uns am frühen Montagnachmittag in gespannter Erwartung vor dem betreffenden Haus ein.

Allerdings: Wir blieben allein. Niemand war da. Und es kam auch niemand.

Also irgendwann zum Handy gegriffen und angerufen – die Telefonnummern hatten wir zum Glück ausgetauscht.

„Ja hallo, wo bleibt ihr denn? Ich warte hier schon seit einer halben Stunde auf euch!“

Äh … wie bitte?

Und so bestätigte sich, was ich nach der wenigen zwischenzeitlichen Kommunikation mit der Vermittlerin insgeheim schon vermutet – und auch ein wenig befürchtet – hatte: Wir hatten komplett aneinander vorbeigeredet.

Es ging um eine völlig andere Immobilie, in einem völlig anderen, etwa zwei Kilometer entfernten Ortsteil von La Frontera, in dem wir noch niemals gewesen waren!

Mit einer kurzen Wegbeschreibung ausgestattet machten wir uns also im Leihwagen auf den Weg dorthin.

Nachdem wir schließlich über eine letzte Kuppe gefahren waren, sahen wir unsere Kontaktperson schon von Weitem auf uns warten.

Da das Haus bereits seit mehreren Jahren dauerhaft vermietet war, blieb uns für die Besichtigung nicht allzu viel Zeit.

Trotzdem war sehr schnell zu erkennen, was für ein besonderer Ort das war: ein in seinen Grundzügen um 1900 erbautes, typisch kanarisches Haus auf einem verwinkelten, wunderbar grün eingewachsenen Grundstück, das sich über insgesamt vier terrassenartige Ebenen erstreckte.

Und obwohl wir eigentlich wegen eines ganz anderen Hauses unterwegs gewesen waren, merkte zumindest ich ziemlich schnell: Das hier kam dem erstaunlich nahe, was ich schon lange als Vorstellung von „unserem Haus auf El Hierro“ im Kopf mit mir herumgetragen hatte.

Gegen Ende der Besichtigung fiel mein Blick auf Maren. Sie lehnte an der Hauswand der uralten Küche und lächelte versonnen.

Und in diesem Moment wusste ich sofort, dass es ihr genauso ging wie mir:

Das ist es!

Der Moment, in dem eigentlich schon alles entschieden war.

Wie der Zufall es wollte, kam der Schweizer Eigentümer der Vivienda nur wenige Tage später ebenfalls nach La Frontera. So hatten wir Gelegenheit, ihn persönlich kennenzulernen und erfuhren bei dieser Gelegenheit vieles über das Haus – insbesondere über die Restaurierung und Erweiterung im Jahr 2000.

Am Ende vereinbarten wir, nach unserer Rückkehr in die jeweilige Heimat wieder Kontakt aufzunehmen – vorausgesetzt, unser Interesse bestand weiterhin und die Finanzierung ließ sich grundsätzlich klären.

Langer Rede, kurzer Sinn: Vier Wochen später, an meinem 55. Geburtstag im Februar, schickten wir unsere Kaufzusage in die Schweiz.

Wir konnten unser Glück kaum fassen – so schnell war plötzlich alles gegangen! Aus einer eher unverbindlichen Besichtigung, die eigentlich einem ganz anderen Haus gegolten hatte, war innerhalb weniger Wochen die Entscheidung für unser eigenes Zuhause auf El Hierro geworden.

Doch dann kam die Corona-Pandemie. Plötzlich war vieles nicht mehr so einfach wie gedacht, und die ursprünglich für Juni geplante Übernahme verzögerte sich erheblich.

Erst an Heiligabend 2020 saßen wir schließlich beim Notar in Valverde. Und dann war es tatsächlich offiziell:

Das Haus gehörte uns.

Und damit begann für uns ein ganz neues Kapitel auf El Hierro.

Die Vivienda in Las Lapas

Die ersten Jahre im eigenen Haus

Von da an verbrachten wir jedes Jahr die Wintermonate auf El Hierro. Es wurde immer vertrauter, und mit jedem Aufenthalt fühlte es sich deutlich weniger nach Urlaub und viel mehr nach Zuhause an.

Irgendwann stellte sich deshalb nicht mehr die Frage, wann wir wieder nach El Hierro kommen würden – sondern vielmehr, warum wir eigentlich immer wieder wegfahren sollten?

Eine neue Heimat

Über die Jahre verbrachten wir immer mehr Zeit auf El Hierro. Aus den Wintermonaten wurden längere Aufenthalte, und irgendwann war für uns klar, dass wir nicht mehr nur einen Teil des Jahres hier verbringen wollten.

El Hierro war längst mehr als ein Ort geworden, an den wir gerne zurückkehrten. Hier war unser Haus, hier fühlten wir uns wohl – und hier wollten wir leben.

Schließlich haben wir den Schritt gemacht und unseren Lebensmittelpunkt ganz auf die Insel verlegt.

Aus einem Urlaubsort war über viele Jahre ein zweites Zuhause geworden. Und aus diesem zweiten Zuhause wurde schließlich ganz einfach: Unsere neue Heimat.