Grau-Weißchen
Ein Leben im Verborgenen
Unser Grau-Weißchen ist ein Paradebeispiel dafür, was passiert, wenn verwilderte Katzen nicht eingefangen und sterilisiert werden.
Schon seit längerer Zeit tauchten bei uns in der Umgebung immer wieder Baby- oder Jungkatzen auf, deren Herkunft ungeklärt war. Zunächst kümmerten wir uns nicht weiter darum, zumal wir mit unseren eigenen Katzen schon genug zu tun hatten.
Das änderte sich gründlich, als eines Tages im Juni 2024 kurz hinter unserer Garage regelmäßig vier winzige, süße Kätzchen am Straßenrand auftauchten. Da nirgendwo eine Mamakatze zu sehen war und die Kleinen augenscheinlich großen Hunger hatten, stellten wir ihnen zumindest regelmäßig Futter und Wasser hin. Sie nahmen beides dankbar an, verschwanden anschließend aber jedes Mal sofort wieder in der Wildnis.
Also begannen wir, die Augen offenzuhalten und darauf zu achten, ob sich vielleicht doch irgendwann ein Muttertier zeigen würde. Und tatsächlich: Eines Tages war es so weit.

Aufgrund ihrer Fellzeichnung nannten wir sie kurzerhand Grau-Weißchen. Einer Wildkatze muss man schließlich keinen Namen geben.
Ihr allerdings auch nur halbwegs nahezukommen, war vollkommen unmöglich. Selbst als sie anfing, bei uns zu Hause vorbeizuschauen, um etwas zu essen abzustauben, blieb sie dermaßen vorsichtig, dass wir uns überhaupt nicht vorstellen konnten, wie wir sie jemals einfangen und sterilisieren sollten.
Und so kam es, wie es kommen musste: Grau-Weißchen bekam noch zweimal Nachwuchs, jeweils im Abstand von etwa vier Monaten. Wie viele Katzenbabys sie schon vor unserer ersten Begegnung zur Welt gebracht hatte, weiß nur sie allein. Wir gehen davon aus, dass es insgesamt mindestens 30 gewesen sein müssen. Viele ihrer Nachkommen haben inzwischen natürlich ihrerseits wieder für Nachwuchs gesorgt. Viele sind allerdings auch gestorben.
Immerhin hatte Grau-Weißchen mittlerweile begriffen, dass wir es gut mit Katzen meinen. Sobald ihre Kleinen groß genug waren, brachte sie sie ebenfalls zu uns. Und auch sie selbst verbrachte immer mehr Zeit bei uns.
Anfassen ließ sie sich trotzdem nicht. Daran war überhaupt nicht zu denken.
Dass sie allerdings – natürlich durch unser Zutun – inzwischen fast süchtig nach laktosefreier Milch geworden war, sollte sich schließlich als Schlüssel zum Erfolg erweisen.
Wir hatten uns eine Katzenfalle ausgeliehen, die ich mit Palmenblättern tarnte. Anschließend ließ ich sie tagelang einfach vor der Tür stehen, damit Grau-Weißchen sich an das ungewöhnliche Gebilde gewöhnen konnte.
Maren war gerade in Deutschland, als ich einen ruhigen Nachmittag nutzte, um die Falle mit einem Schälchen Milch zu bestücken. Dann hieß es warten, bis Grau-Weißchen wie gewohnt am späten Nachmittag zum Fressen und Trinken auftauchte.
Mir war klar, dass ich nur einen einzigen Versuch haben würde. Wenn sie Verdacht schöpfte und die Falle mit etwas Unangenehmem verband, wäre die Chance vermutlich für immer dahin.
Aber es klappte!
Am nächsten Tag wurde Grau-Weißchen sterilisiert. Seitdem ist zumindest in dieser Hinsicht Ruhe. Als ich sie vom Tierarzt zurückhatte, war sie noch in Narkose, sodass ich sie ein einziges Mal streicheln konnte. Ganz weiches Fell hat sie, und sehr hübsch ist sie ja sowieso …
Anfassen lässt sie sich nach wie vor nicht. Trotzdem wohnt sie inzwischen fest bei uns, schläft auch ausgesprochen gerne im Haus und macht irgendwie den Eindruck, als gefiele ihr die neue Situation außerordentlich gut.
Und wer könnte es ihr verdenken? Nicht mehr alle vier Monate schwanger zu werden, wieder neue Babys zur Welt zu bringen und diese großzuziehen, sondern einfach nur noch das eigene Katzenleben zu genießen – das ist doch auch nicht die schlechteste Aussicht!
Nichtsdestotrotz hat uns ihr gesamter Nachwuchs eine ganze Weile und teilweise bis heute kräftig auf Trab gehalten.
Aber davon mehr auf den nächsten Seiten …

Simba, Bagheera und Grumpy

Luna & Luca

Winni & Gizmo
Ihren Namen haben wir übrigens einfach beibehalten – nach zwei Jahren fiel uns nichts passenderes mehr ein, und so weiß auch immer jeder sofort, wer mit Grau-Weißchen gemeint ist.
















